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Ausführlicher Testbericht: Motorola Xoom 2 Media Edition - 8-Zoll-Tablet mit Android 3.2

Von Daniel Schräder, Andrew Hoyle
27. Januar 2012, 20:09 Uhr

Das Motorola Xoom 2 Media Edition (oder auch kurz: ME) ist der kleine Bruder des Xoom 2. Nicht nur bei den Abmessungen, sondern auch bei den inneren Werten hat der Hersteller seinem jüngsten Spross eine Diät verordnet - wohl auch, um den Preis moderat zu halten. Aber das Display überzeugt, und trotz der etwas spartanischen Ausstattung reicht die Power für den Großteil der Anwendungen aus.

Blöd ist nur, dass die ersten Online-Shops das Gerät in der 16-GByte-Version ohne UMTS für 599 Euro listen - das sind 20 Euro mehr, als ein iPad 2 bei Apple kostet. Mit doppeltem Speicher, wohlgemerkt. Eine flotte Preissenkung dürfte für den Verkaufserfolg des Geräts essentiell sein.

Design

Das ME ist die kleine Version des Xoom 2. Anstelle des bekannten 10,1 Zoll großen Displays setzt der Hersteller hier auf ein Panel mit 8,2 Zoll in der Diagonalen. Damit ist es eher für den mobilen Einsatz als für den Wohnzimmertisch gedacht.

Damit kommt das Gerät auf 21,6 Zentimetern in der Breite und 14,0 Zentimetern in der Höhe. Zum Vergleich, das iPad 2 misst 24,1 mal 18,6 Zentimeter, das Xoom 2 25,4 mal 17,4, Damit ist es zwar spürbar kleiner als der Vorreiter der Branche, aber immer noch zu groß, um es dauerhaft mit einer Hand halten zu können. Und die Bedienung mit einer Hand schaffen wohl nur Menschen mit gigantischen Daumen - ansonsten sind schlicht nicht alle Bereiche des Displays erreichbar.

Mit einem Gewicht von 388 Gramm ist es fast exakt ein Drittel leichter als sein großer Bruder, der 599 Gramm auf die Waage bringt. Zum Vergleich, das iPad 2 kommt auf 601 Gramm in der WLAN-Ausführung. Damit ist es in der Handtasche oder im Rucksack keine große Belastung - und passt sogar in übergroße Taschen von Khaki-Hosen, ohne sie gleich nach unten zu ziehen.

Die Vorderseite entspricht der aller aktuellen Android-Tablets: Es gibt keinerlei Knöpfe oder Soft-Touch-Buttons. Stattdessen ist die Front fast vollständig von einer Glasoberfläche überzogen, unterbrochen nur vom Motorola-Logo und einem kleinen Punkt, hinter dem sich die Linse der Frontkamera befindet. Wie beim Xoom 2 wirken die Ecken angeschnitten. Das ist ein nettes Design-Element, aber für den praktischen Einsatz irrelevant.

Auf der Rückseite gibt es eine verschraubte Platte aus grauem Metall, die von gummiertem Kunststoff umrandet ist. Sichtbare Schrauben? Genau. Was sonst häufig ein unverzichtbarer Design-Faux-Pas ist, sorgt hier für einen gefälligen Industrie-Look. Klar, das ist Geschmacksache, aber uns gefällt's - und es ist ein netter Gegensatz zum glattgeschliffenen iPad-Look.

Laut Motorola hat die Gummierung des Rahmens auch einen praktischen Nutzen: Sie soll das Gerät vor eindringender Feuchtigkeit schützen. Damit wir uns nicht falsch verstehen, für die Badewanne ist dieses Tablet nichts. Aber wenn man es mal bei leichtem Regen benutzt, wird es nicht sofort den Geist aufgeben. Beim Praxistest hat nur der kapazitive Touchscreen nicht mehr funktioniert - aber das ist bei dieser Technik normal, sobald sich ein paar Tropfen auf dem Glas befinden. Längerfristige Schäden konnten wir beim Testgerät nicht beobachten.

Außerdem sorgt das Material für ein sicheres Gefühl. Zwar handelt es sich hier nicht um eine dicke Gummischicht, sondern wirklich nur um ein Finish, aber Stöße scheinen rein subjektiv nicht so schlimm zu sein. Das ist insofern gut, als wir nicht das Gefühl haben, das Xoom 2 ME wäre extrem empfindlich - und wir müssen es nicht in Watte einpacken, wenn wir das Haus verlassen.

Auf der Oberseite hat der Hersteller die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse untergebracht. Ganz unten sitzen Micro-HDMI- und Micro-USB-Anschluss. Außerdem gibt es eine kleine Klappe, hinter der sich wohl SD- und oder SIM-Kartenslot befinden sollten oder befanden. Unser Testgerät hat hier gar keine Einschubmöglichkeit, andere Nutzer berichten von einem SD-Slot, bei dem allerdings nur der Lesezugriff auf die Speicherkarte möglich sein soll.

Display

Während die anderen "kleinen" Tablets meist auf Anzeigen im 7-Zoll-Format setzen, greift Motorola lieber auf 8,2 Zoll zurück. Der Unterschied ist zwar nicht so groß, fällt aber beim längeren Betrachten von Filmen durchaus positiv aus. Und das Gerät ist besser zu halten als die größeren 10-Zöller.

Beim Panel handelt es sich um ein LCD mit einer Auflösung von 1280 mal 800 Pixeln. Das sind mehr Bildpunkte als das größere Display des iPad 2 anzeigen kann - und das sorgt für eine schärfere Darstellung von Inhalten. Im Praxistest kann der Monitor darüber hinaus mit anständigem Kontrast und kräftigen Farben punkten.

Damit ist das Tablet erstklassig für Multimedia-Anwendungen geeignet. Wer häufig unterwegs Videos betrachtet, liegt hier goldrichtig. Wer eher auf der Suche nach einem Notebook-Ersatz fürs Internet-Surfen im Wohnzimmer ist, sollte sich aber doch lieber für ein Modell mit 10-Zoll-Display entscheiden.

Media Player

Und das wollen wir jetzt gleich mal ausprobieren. Dabei stolpern wir schnell über die erste Hürde: Zum Übertragen von Videodateien müssen wir zwingend Motorolas MotoCast-Software auf dem PC installieren. Einfaches Drag-and-Drop von Videoclips? Fehlanzeige, das funktioniert hier nicht. Und das passt uns schon mal gar nicht.

Noch dazu wäre es wünschenswert gewesen, wenn der Hersteller das nötige Programm wenigstens schon auf das Tablet gepackt hätte. Hat er aber nicht. Stattdessen wird man beim Anstecken des USB-Kabels dazu aufgefordert, die Software aus dem Web zu laden. Und das dauert. Darüber hinaus bringt das Programm haufenweise Zusatzmodule mit, die wir niemals haben wollten. Nachdem das Xoom 2 ME unseren Geduldsfaden auf diese Weise schon ganz schön strapaziert hat, taucht es endlich als Speichermedium auf - und wir können auf unser geliebtes Drag-and-Drop zurückgreifen. Aber ganz im Ernst: Das ist total unnötig und nervig.

Immerhin schaffen wir es nun, ein paar Videoclips im MP4-Format, ein paar MP3-Songs und ein paar JPG-Fotos zu kopieren. Dankenswerterweise bringt das Gerät eine App zum Betrachten der Bilder sowie eine zum Abspielen von Musik gleich mit, aber an einen expliziten Videoplayer hat wohl niemand gedacht - bei einem Gerät, das die Worte Media Edition im Namen trägt. Dafür tauchen unsere Clips zwischen den Fotos in der Standard-Galerie von Android auf.

Laut Motorola soll das kleine Tablet mit kräftigen Bässen und virtuellem Surround-Sound punkten - alles aus den eingebauten Lautsprechern, versteht sich. Auf Anhieb glauben wir eher, dass die Entwickler und Marketing-Spezialisten das ironisch gemeint haben. Wir merken davon zumindest nichts.

Software

Auf dem ME läuft Android 3.2 - also die Tablet-Ausführung von Googles Smartphone-Betriebssystem. Schade nur, dass Motorola hier nicht auf die neue Version 4.0 alias Ice Cream Sandwich setzt, die die Handy- und die Tablet-Ausführungen der Software nun zusammenführt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich Motorola zu einem Update auf ICS bislang ausschweigt - kein gutes Zeichen.

Fairerweise müssen wir aber dazu sagen, dass Android 3.2 keineswegs zum alten Eisen gehört. Die Oberfläche ist attraktiv, leistungsfähig und gut zu bedienen. Am User-Interface selbst hat Motorola nicht geschraubt. Software, Widgets, Menüs, all das kennen wir schon von früheren Android-3-Tablets.

Alle wichtigen Programme inklusive Webbrowser, Youtube-Player und Google Maps sind vorinstalliert, dazu gibt es über den Android Market Zugang zu zigtausenden weiteren Anwendungen. Die Masse davon ist zwar für die deutlich kleineren Displays von Handys optimiert, sie funktionieren aber fast ausnahmslos auch ohne Probleme auf dem Xoom.

Leistung

Unter der Haube sorgt ein 1,2 GHz schneller Dual-Core-Prozessor für Vortrieb. Ihm steht 1 GByte Arbeitsspeicher zur Verfügung. In der Theorie sollte das für flotte Reaktionen sorgen. Um das in Zahlen auszudrücken, starten wir den Android-Benchmark Quadrant. Hier erreicht das Gerät 2621 Punkte - und damit signifikant mehr als das Acer Iconia Tab A100 (1760 Punkte), ist aber immer noch signifikant langsamer als beispielsweise das Samsung Galaxy S2 - und dabei handelt es sich um ein Handy.

Im CF-Benchmark erreicht das Motorola 6261 Punkte. Das Ergebnis wird zwar problemlos von einem Quad-Core-Tablet wie dem Asus Transformer Prime geschlagen, ist für ein Dual-Core-Gerät aber ein guter Wert.

Unterm Strich zählt das Erlebnis beim Benutzen ohnehin mehr als die schnöden Punktezahlen, die die Benchmarks ausgeben. Beim Wischen und Wechseln zwischen Homescreens, Apps und Webseiten ruckelt hier nichts: Das kleine Xoom macht Spaß bei der Bedienung und reagiert nahezu verzögerungsfrei. Nur manche Apps nehmen sich beim Start hier und da eine Gedenksekunde.

Selbst ein Stapel Anwendungen im Hintergrund bremst das Gerät nicht spürbar aus. Wer das Xoom in die Knie zwingen möchte, schafft das zwar mit einer riesigen Anzahl an Live-Widgets und Live-Hintergründen auf dem Homescreen, aber wer es nicht darauf anlegt, kommt mit der Leistung problemlos aus. Selbst 3D-Spiele laufen rückenfrei.

Ganz wichtig für ein Tablet mit HDMI-Ausgang ist noch die Frage, ob es Full-HD-Videos ruckelfrei abspielt. Beim Motorola lautet die Antwort: Ja. Unsere MP4-Dateien jedenfalls laufen verzögerungsfrei ab.

Kamera

Auf der Rückseite des ME befindet sich die Linse der 5-Megapixel-Kamera samt LED-Fotolicht. Die meisten Tablets zeichnen sich nicht gerade durch hervorragende Foto-Qualitäten aus. Kein Wunder eigentlich, denn die integrierte Digicam ist eher ein praktisches Extra als ein wichtiges Verkaufsmerkmal - denn kaum jemand rennt mit seinem iPad durch fremde Innenstädte, um die Eindrücke fürs Familien-Fotoalbum festzuhalten.

Bereits auf Anhieb vermuten wir, dass das beim kleinen Motorola nicht viel anders wird. Die natürliche Position des Gerätes ist ja wohl das Querformat, und dabei decken wir die kleine Linse direkt mit der Hand ab. Das nervt.

Wir müssen also entweder im Hochformat knipsen oder besonders darauf achten, unsere Gliedmaßen nicht ins Bild zu halten. Und auch dann hinterlassen die Ergebnisse gemischte Gefühle. Insgesamt gehen die Fotos zwar in Ordnung und geraten meist ausreichend scharf, aber es mangelt an Details, an Farbe und an Liebe.

Damit ist klar: Auch das Motorola Xoom 2 ME wird die Digitale Spiegelreflex nicht ersetzen. Und auch nicht die kompakte Schnappschusskamera. Aber für einen kurzen Schnappschuss für Facebook reicht's allemal aus.

Fazit

Das Motorola Xoom 2 Media Edition überzeugt mit einem runden Gesamtpaket. Es mag vielleicht nicht schnellsten Prozessor aller Zeiten haben. aber es ist angenehm flott, reagiert gut und hat ein helles, scharfes Display, das sich perfekt für den Einsatz unterwegs eignet.

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