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Was machen A, S, M & Co.?: So funktionieren die Aufnahmemodi von digitalen Kameras

Von Lori Grunin, Stefan Möllenhoff
10. Mai 2011, 18:11 Uhr

Wieso sollte man nicht jedes Foto im Automatik-Modus schießen? Die Antwort auf die Frage bekommt man, wenn man jetzt seine Digicam in die Hand nimmt und versucht, den herumtobenden Nachwuchs oder das quirlige Haustier zu fotografieren - und schießt anschließend eine Aufnahme mit Gegenlicht sowie eine bei sehr wenig Licht. Von den drei Aufnahmen gelingen vermutlich drei nicht besonders gut. Das lässt sich ändern.

Um die Funktionsweisen der Aufnahmeprogramme zu erläutern, benötigen wir ein paar grundlegende Begrifflichkeiten. Wer sich mit ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit & Co. bestens auskennt, kann diesen Abschnitt getrost überspringen und zu den nächsten Teilen weiterblättern, wo wir zunächst die auf den meisten Moduswahlschaltern befindlichen Programme erklären und uns anschließend den Funktionsweisen der verschiedenen Szenenprogramme widmen.

Verschluss

Den Verschluss einer Kamera kann man sich als kleines Türchen vorstellen, das Licht zum Bildsensor durchlässt - oder eben nicht. Eine lange Verschlusszeit (etwa fünf Sekunden) bedeutet, dass viel Licht zum Sensor durchdringen kann. Allerdings wird es ab einer gewissen Zeit unmöglich, freihändig unverwackelte Fotos zu schießen und bewegte Motive scharf abzubilden. Hier sind dann kurze Verschluss- respektive Belichtungszeiten erforderlich (beispielsweise 1/100 Sekunde).

Blende

Die Blende befindet sich im Objektiv und reduziert wie die Iris im Auge die durch die Linse ins Kamerainnere einfallende Licht. Eine große Blendenöffnung wird mit einer kleinen Blendenzahl beschrieben, etwa F1,4. F12 dagegen entspricht etwa einer recht weit geschlossenen Blende - wenig Licht dringt zum Bildsensor durch. Je größer die Blende geöffnet ist, desto kleiner ist die Schärfentiefe. Kleine Blendenöffnungen erfordern längere Belichtungszeiten und steigern somit die Verwacklungsgefahr, bilden aber auch einen größeren Teil des Motivs scharf ab. Im Gegensatz zur Verschlusszeit hat die Blende keinen Einfluss darauf, ob Fotos verwackelt oder unverwackelt geraten.

ISO-Empfindlichkeit

Der ISO-Wert bestimmt, mit welcher Empfindlichkeit der Sensor ausgelesen wird - also wie viele Lichtteilchen die Fotozelle zählen muss, bis ein Signal entsteht. Eine niedrige Empfindlichkeit wäre beispielsweise ISO 100 - hier sind lange Verschlusszeiten erforderlich, um ausreichend Licht auf den Sensor zu bringen. Dafür ist die Bildqualität aber auch besser als bei hohen ISO-Werten, denn hier sorgt die gesteigerte Empfindlichkeit für ein Bildrauschen. Günstige Kompaktkameras liefern in der Regel bis ISO 200 sehr gute Fotos, bessere Modelle bis ISO 400 oder 800. Spiegelreflexkameras schießen - je nach Preisklasse - auch mit ISO 3200 oder sogar ISO 12.800 noch sehr gute Bilder.

Belichtungskorrektur

Im Automatik-Betrieb versucht die Kamera stets, Blende und Verschlusszeit so anzupassen, dass das Bild nicht zu hell und nicht zu dunkel gerät. Allerdings liegt die Digicam insbesondere bei Motiven mit hohen Helligkeitsunterschieden gelegentlich daneben, so dass ein Eingreifen erforderlich ist. Mit Hilfe der Belichtungskorrektur verschiebt der Fotograf die Helligkeit in die gewünschte Richtung - und muss sich nicht um Blende und Belichtungszeit kümmern. Das übernimmt in diesem Fall die Kamera nach bestem Wissen und Gewissen.

Soweit die grundlegenden Parameter, die für die Belichtung einer Aufnahme verantwortlich ist. Wer sich mehr Informationen wünscht, findet in unseren Fotokursen mehr Details zu Belichtungszeit, Blende und ISO-Empfindlichkeit.

Je nach Hersteller sieht das Modusrädchen, das zum Anwählen des Aufnahmeprogramms dient, anders aus. Manchmal gibt es mehr, manchmal weniger Optionen, manchmal sitzt das Bedienelement auch auf der rechten Oberseite oder hinten an der Kamera. Teilweise unterscheiden sich auch die Bezeichnungen der Aufnahmemodi.
Je nach Hersteller sieht das Modusrädchen, das zum Anwählen des Aufnahmeprogramms dient, anders aus. Manchmal gibt es mehr, manchmal weniger Optionen, manchmal sitzt das Bedienelement auch auf der rechten Oberseite oder hinten an der Kamera. Teilweise unterscheiden sich auch die Bezeichnungen der Aufnahmemodi.

Auswahlpunkte auf dem Modusrädchen

Automatik

Beschreibung: Hier nimmt die Kamera das Ruder in die Hand - der Fotograf muss nur noch auf den Auslöser drücken. Klingt fantastisch? Ist es aber nicht immer. Denn leider liegen Kameras auch im Jahr 2011 bei der Einschätzung des Motivs noch gelegentlich daneben. Schwierigkeiten gibt es insbesondere bei kontrastreichen Szenerien, schnell bewegten Objekten oder schlechten Lichtverhältnissen.

Anwendungsgebiete: Sehr wenige - bei Tageslicht dürften die Ergebnisse allerdings in der Regel zufriedenstellend sein. Bei Gegenlicht, bewegten Objekten, wenig Licht und dergleichen sollte man die Finger von der Automatik lassen.

Einstellungsmöglichkeiten: Üblicherweise gibt es nur ein paar einfache Optionen zu Bildgröße, Blitz & Co. Im Idealfall steht eine Belichtungskorrektur zum Anpassen der Helligkeit zur Verfügung.

Intelligente Automatik

Beschreibung: Die meisten aktuellen Kompaktkameras bieten eine intelligente Automatik, die das Motiv analysiert und einem von verschiedenen Szenenprogrammen zuordnet. Der Vorteil gegenüber der "normalen" Automatik besteht darin, dass in der Regel mehr Aufnahmeparameter auf das Motiv hin angepasst werden. Beim Sonnenuntergang werden die Farben intensiver, bei Portraits visiert der Autofokus gezielt Gesichter an, bei kontrastreichen Motiven greifen diverse Algorithmen ein, die Details retten - etwa Nikons D-Lighting oder Canons i-Contrast. Üblicherweise liefert die intelligente Automatik bessere Ergebnisse als die "dumme" Automatik. Bei vielen Kameras verstecken sich die Automatik und die intelligente Automatik auf dem Moduswahlschalter hinter dem gleichen Icon. Die "intelligente Automatik" ist eine etwas fortschrittlichere Version des Modus-Dinosauriers.

Anwendungsgebiete: Die intelligente Automatik bietet sich an, wenn der Fotograf keine Zeit hat, das zum Motiv passende Szenenprogramm händisch auszuwählen oder nicht weiß, welcher Modus jetzt der beste ist. Wenn das Motiv in eine der drei Schubladen "Portrait", "Landschaft" oder "Makro" passt, gibt es hier in der Regel zuverlässig gute Ergebnisse. Manche Kameras können zwischen Tag und Nacht und zwischen ruhigen Erwachsenen und herumspringenden Kindern unterscheiden und passen die Aufnahmeparameter entsprechend an.

Einstellungsmöglichkeiten: In der Regel finden sich auch hier nur ein paar einfach Optionen wie bei der normalen Automatik. Liegt die intelligente Automatik bei der Bildhelligkeit daneben, hilft die - hoffentlich vorhandene - Belichtungskorrektur weiter. Daher lohnt es sich immer, die gerade geschossenen Aufnahmen in der Kamera auf korrekte Helligkeit zu kontrollieren.

Szenenprogramm

Beschreibung: Hier gibt es eine Reihe von Voreinstellungen für bestimmte Aufnahmesituationen. Wählt der Anwender beispielsweise "Portrait" aus, öffnet die Kamera die Blende soweit wie möglich, um den Hintergrund unscharf abzubilden, aktiviert die Gesichtserkennung, um den Autofokus auf die Person(en) zielen zu lassen und drosselt - wenn möglich - die ISO-Empfindlichkeit. Im Wesentlichen handelt es sich bei den verschiedenen Szenenprogrammen um Automatiken, bei denen der Nutzer die Kamera auf eine bestimmte Richtung schiebt.

Anwendungsgebiete: Wer mit den Ergebnissen der Automatiken in bestimmten Aufnahmesituationen - etwa bei Nacht, am Strand oder auf der Skipiste - nicht zufrieden ist, findet hier möglicherweise Abhilfe, ohne allzu tief in die Materie einsteigen zu müssen.

Einstellungsmöglichkeiten: Meistens bieten die Szenenprogramme ähnlich viele beziehungsweise wenige Anpassungsmöglichkeiten wie die Automatik oder die intelligente Automatik. Bei manchen Szenenprogrammen sind möglicherweise sogar die Einstellungen zu Blitz und Belichtungskorrektur festgelegt und lassen sich nicht ändern.

Programm (P)

Beschreibung: Der Programm-Modus ist die Automatik für kreative Köpfe. Die Digicam übernimmt die beiden wichtigsten Einstellungen - Verschlusszeit und Blende - und überlässt dem Fotografen alle übrigen Aufnahmeparameter.

Anwendungsgebiete: Wer sich bei ISO-Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur, Belichtungsmessung und Konsorten zu Hause fühlt, kann mit der Programm-Funktion komplexe Aufnahmesituationen meistern, in denen die anderen Automatiken versagen.

Einstellungsmöglichkeiten: Hier lässt sich alles außer Blende und Belichtungszeit einstellen. Gelegentlich gibt es die Möglichkeit, Blende und Belichtungszeit bei konstant bleibender Helligkeit gegeneinander zu verschieben.

Zeitpriorität (Blendenautomatik, S, Tv)

Beschreibung: In diesem Modus legt der Fotograf die Belichtungszeit fest, und die Kamera passt die Blende dementsprechend an. Wenn die Empfindlichkeit auf "Auto" gestellt ist, hilft die Kamera auch mit dem ISO-Wert nach.

Anwendungsgebiete: Die Zeitpriorität eignet sich für alle Situationen, in denen besonders lange oder besonders kurze Verschlusszeiten erforderlich sind - etwa bei Langzeitaufnahmen vom Nachthimmel oder bei Actionfotos.

Einstellungsmöglichkeiten: In der Zeitpriorität lässt sich alles außer der Blendenöffnung einstellen.

Blendenpriorität (Zeitautomatik, A, Av)

Beschreibung: In diesem Modus legt der Fotograf die Blende fest, und die Kamera passt die Belichtungszeit dementsprechend an. Wenn die Empfindlichkeit auf "Auto" gestellt ist, hilft die Kamera auch mit dem ISO-Wert nach.

Anwendungsgebiete: Die Blendenpriorität kommt zum Einsatz, wenn der Fotograf die Tiefenschärfe aktiv beeinflussen möchte. Bei Portraitfotos etwa lassen kleine Blendenzahlen den Hintergrund unscharf erscheinen, bei Architekturfotos sorgen hohe Blendenzahlen für eine große Tiefenschärfe - und damit für scharfe Blumenkästen vom ersten bis zum letzten Stockwerk.

Einstellungsmöglichkeiten: Hier lassen sich alle Aufnahmeparameter mit Ausnahme der Verschlusszeit einstellen.

Manuell (M)

Beschreibung: Im manuellen Modus hat der Fotograf komplett freie Hand. Damit gibt es die meisten Freiheiten, aber natürlich auch viele Möglichkeiten, Fehler zu machen. Üblicherweise zeigt die Kamera an, ob die gewählten Aufnahmeparameter eine korrekte Belichtung ergeben oder nicht. Im Zweifelsfall kann man immer auf einen der drei vorherigen Modi umschalten, sich die Aufnahmeparameter ansehen, die die Kamera wählen würde, und den manuellen Modus dann dementsprechend anpassen.

Anwendungsgebiete: Der manuelle Modus ist die richtige Wahl, wenn sich der Fotograf volle manuelle Einstellungsmöglichkeiten wünscht. Auch wenn bei einer Reihe von Fotos immer exakt die gleiche Belichtung zum Einsatz kommen soll, muss dieser Betrieb gewählt werden - etwa bei der händischen Aufnahme von Panorama-Fotos.

Einstellungsmöglichkeiten: Alles

Bulb

Beschreibung: Bulb ist eine Variation des manuellen Modus, bei der der Verschluss genau so lange offen bleibt, wie der Fotograf den Auslöser gedrückt hält. Bei Langzeitbelichtungen verhindert eine Kabelfernbedienung Fingerkrämpfe. Gelegentlich hat der Bulb-Modus einen eigenen Auswahlpunkt auf dem Moduswahlschalter, manchmal lässt er sich durch Aufdrehen der Belichtungszeit auf den maximalen Wert aktivieren.

Anwendungsgebiete: Bei Langzeitbelichtungen mit Verschlusszeiten von mehreren Minuten hilft der Bulb-Modus weiter. Außerdem ist es bei Feuerwerksfotos beispielsweise hilfreich, den Verschluss zum exakt richtigen Zeitpunkt wieder zu schließen und so eine Reihe von Effekten punktgenau aufs Bild zu bringen. Bei unserem Kurzzeitfotografie-Bastelprojekt hat der Bulb-Modus ebenfalls gute Dienste geleistet.

Einstellungsmöglichkeiten: Alles

Standard-Szenenprogramme

Soweit die am häufigsten genutzten und bei praktisch allen aktuellen Digitalkameras vertretenen Szenenprogramme. Üblicherweise handelt es sich bei diesem Aufnahmemodi auch um jene, auf die die intelligente Automatik zurückgreift. Je nach Kamera funktioniert das mehr oder weniger zuverlässig. Die meisten Digicams zeigen dem Fotografen aber im Display an, für welches Szenenprogramm sie sich entschieden haben. Wenn man die Freundin vor dem nächtlichen Eiffelturm ablichten möchte und die Knipse im Display den Makromodus anzeigt, wählt man das passende Szenenprogramm lieber gleich händisch aus. Im Folgenden wollen wir uns noch ein paar eher selteneren Szenenprogrammen widmen und deren Funktion beschreiben.

Erweiterte Szenenprogramme

Fazit

Mit zunehmend intelligenteren Automatiken machen moderne Digitalkameras unbedarften Fotografen das Leben immer leichter. Doch auch die klügste Kamera der Welt kommt bei komplizierten Aufnahmesituationen ins Straucheln. Mit den diversen Szenenprogrammen und der Belichtungskorrektur lässt sich die Digicam zumindest schon einmal in die richtige Richtung schieben. Wer die Aufnahmen jedoch haargenau an seine eigenen Vorstellen anpassen möchte, kommt um die manuellen PASM-Modi nicht herum.

Wir haben bereits eine Vielzahl von Stories zum Thema Digicams veröffentlicht. Hier findet sich eine Übersicht über unsere Fotokurse und Kamera-Bastelprojekte.


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Lesermeinungen zum Artikel

Szenenprogramme
von D. Eichhorn am 11. Mai 2011, 07:54
Was sind denn "Szenenprogramme"? Der (Fach-)Terminus für das was da beschrieben wird heißt doch korrekt und zutreffend "Motivprogramme". Mit einer Fotokamera (Stehbildkamera) nimmt man bekanntlich "Motive" auf und keine "Szenen". Zu schade dass in die recht anschaulichen Erklärungen falsche Begriffe aus grottenschlechten Übersetzungen übernommen wurden. Mit einem Blick in GUTE - zugegeben rare - Fachliteratur hätte sich das vermeiden lassen.