So einfach geht's: Fernbedienung für Kameras von Canon, Pentax & Co. für 10 Euro selber bauen
Der Bulb-Modus bei Kameras ist eine geniale Erfindung. Drückt der Fotograf auf den Auslöser, beginnt die Digicam mit der Belichtung. Lässt er wieder los, schließt sich der Verschluss, und das Bild ist im Kasten. Das Belichtungsprogramm findet eine Vielzahl von Anwendungen, etwa bei Feuerwerksfotos, Light Painting oder Kurzzeit-Aufnahmen mit Blitz. Diese Beispiele haben eines gemein: Der Auslöser wird nur wenige Sekunden lang gedrückt.

Fotografiert man mit sehr langen Belichtungszeiten, landen Sterne als Spuren auf den Aufnahmen (Bild: Photos.com).
Anders sieht es aus, wenn eine in totale Dunkelheit gehüllte Landschaft auf dem digitalen Film landen soll. Und im Idealfall möchte man die Sterne nicht punktförmig, sondern als runde Kreisspuren auf dem Bild abgebildet haben. Hier sind Belichtungszeiten von mehreren Minuten bis Stunden erforderlich. Und so lange möchte man nun beim besten Willen nicht neben der Digicam stehen und den Auslöser festhalten - zumal ja auch die Verwacklungsgefahr groß ist.
Die meisten aktuellen Kameras nutzen eine 2,5-Millimeter-Stereo-Klinkenbuchse als Anschluss für die Fernbedienung. Bei vielen Modellen ist die Belegung der Kontakte identisch - und sehr simpel. Vom Kabel ausgehend ist der unterste Kontakte die Masse. Stellt man einen Kurzschluss zwischen diesem und dem mittleren Kontaktring her, fokussiert die Kamera. Eine Verbindung zwischen Masse und Spitze des Steckers löst das Foto aus. Diese Belegung nutzen beispielsweise die drei- und vierstelligen Canon-DSLRs sowie die zweistellige EOS 60D, die Canon PowerShot-Digicams der G-Serie sowie Spiegelreflexkameras von Pentax und Samsung.

So sieht die Belegung des 2,5-Millimeter-Steckers bei vielen Kameras aus. Wir haben es mit einer Canon EOS 450D ausprobiert.
Wie bei allen unseren Bastelprojekten erfolgt der Eigenbau auf eigene Gefahr.
Einfacher Kabelfernauslöser
Wer die Kamera einfach nur verwacklungsfrei auf dem Stativ oder bei Selbstportraits ohne Verrenkungen auslösen möchte, dem genügt ein einfacher Kabelfernauslöser. Und dieser lässt sich sehr einfach aus einem billigen Headset mit 2,5-Millimeter-Klinkenanschluss und Fernbedienung am Kabel "basteln". Die erforderlichen Materialien beschränken sich auf Headset, Messer, Kneifzange und etwas Heißkleber. Und eine Kamera zum Ausprobieren.

Aus diesem Headset basteln wir einen Kabelfernauslöser. Entscheidend sind die 2,5-Millimeter-Klinkenbuchse und die Fernbedienung an der Strippe.
Mit dem Messer ist es ein Leichtes, die Fernbedienung an der seitlichen Naht aufzuhebeln. Mit dem Innenleben, das vermutlich bei allen Fabrikaten ähnlich "hochwertig" aussieht wie bei unserem 10-Euro-Modell, beschäftigen wir uns nicht lange. Wir schneiden lediglich das Kabel, das von der Fernbedienung zum Kopfhörer führt, im Inneren des Gehäuses ab. In das Loch, wo einmal das Kabel war, kommt ein Tropfen Heißkleber, der das Gehäuse des Kabelfernauslösers dann gleichzeitig auch wieder sicher zusammenhält. Fertig.

Mit einem Messer lässt sich die Kabelfernbedienung leicht aufhebeln. Die Strippe schneiden wir ab, kurz bevor sie das kleine Kästchen in Richtung Headset verlässt.
Wir stecken das Headset - Pardon, die Fernbedienung - an unsere gute, alte EOS 450D an, schalten die Kamera ein et voilà: Ein Druck auf die kleine Taste betätigt den Auslöser. Das war's schon, und das mit einem Bastelaufwand von gerade einmal drei Minuten. Den 2,5-Millimeter-Stecker nutzen übrigens unter anderem alte Nokia-Freisprecheinrichtungen sowie Headsets für DECT-Telefone.

Die Zappe sieht aus wie zum Kabelfernauslöser geboren. Das Headset im Hintergrund brauchen wir nicht mehr.
Kabelfernauslöser mit Arretierungsfunktion
Wer die Kamera nicht nur auslösen, sondern auch für längere Zeit ausgelöst lassen möchte, braucht zusätzlich eine Arretierungsfunktion in der Kabelfernbedienung. Sicher - da würd's ein Streifen Tesafilm wohl auch tun, den man einfach über die Taste der Headsetfernsteuerung klebt und dann wieder abnimmt. Aber etwas eleganter geht's mit einem Schalter. An diesen löten wir einfach ein Kabel an, an dessen Ende sich ein 2,5-Millimeter-Klinkenstecker befindet, das in der Kamera steckt.
Schalter gibt's in allen nur erdenklichen Formen und Farben. Günstige Möglichkeiten wären beispielsweise ein Wippschalter oder ein Kipphebel-Schalter. Beide Ausführungen sind schon für rund einen Euro erhältlich. Für den Schalter brauchen wir noch ein Gehäuse. Wir wählen einen alten Anspitzer, alternativ tut's aber auch eine Filmdose oder eben ein Universalgehäuse aus dem Elektronikhandel. Anschaffungskosten: rund ein bis zwei Euro.

Als Gehäuse setzen wir einfach einen Spitzer ein, in dessen Boden wir ein Loch gebohrt haben. Dort passt der Schalter (rechts) genau hinein.
Zu guter Letzt brauchen wir noch einen 2,5-Millimeter-Stecker. Wir verwenden ein zwei Meter langes Kabel, das auf beiden Seiten je einen 2,5-Millimeter-Klinkenstecker besitzt - und schneiden einen der Stecker ab. Anschaffungskosten: zehn Euro im Geizmarkt, anderswo gibt's einen 2,5-Millimeter-Stereo-Stöpsel mit 1,8 Meter Kabel schon für knapp drei Euro. An Werkzeug benötigen wir Lötkolben, Bohrer, Kneifzange und Messer oder besser Abisolierzange.

In unserem Fall betätigt ein Kurzschluss zwischen weißer Strippe und Masse den Auslöser. Diese beiden Kabel löten wir an dem Schalter fest. Das rote Kabel kleben wir mit Isolierband ab, damit es uns nicht dazwischenfunkt.
Als erstes entfernen wir - falls nicht schon geschehen - am steckerlosen Kabelende circa einen Zentimeter der Kunststoffummantelung. Darunter kommt das Drahtgeflecht der Masse zum Vorschein. Sie ist mit dem untersten Kontakt des Steckers verbunden. Wir verdrillen das Geflecht mit Daumen und Zeigefinger. Im Inneren des Geflechts verstecken sich zwei kleine Kabel, die in unserem Fall rot und weiß gekennzeichnet sind. Wir entfernen jeweils einen halben Zentimeter der Isolierung. In das Gehäuse - beziehungsweise in den Anspitzer - bohren wir ein Loch für unseren Schalter.

Vor dem Löten vergewissern wir uns, dass das Kabel richtig herum durch das Loch im Gehäuse durchgeführt ist. Der 2,5-Millimeter-Klinkenstecker lässt sich hier später nämlich nicht mehr durchziehen.
Um die Belegung zu überprüfen, misst man das Kabel mit einem Multimeter durch. Alternativ stöpseln wir den Stecker einfach in die Kamera, schalten sie ein und überprüfen durch Zusammenhalten der Drähte, ob eine Verbindung zwischen Rot und Masse oder zwischen Weiß und Masse den Auslöser betätigt. Anschließend ziehen wir den Stecker aus der Kamera und löten die beiden Auslöser-Kontakte am Stecker fest. Steht der Schalter auf "Ein", dann ist der Kontakt dauerhaft geschlossen. Die Kamera verhält sich, als wäre der Auslöser dauerhaft gedrückt. Im Serienbildmodus schießt sie dann unentwegt Bilder, im Bulb-Modus belichtete sie so lange, bis man den Schalter wieder umlegt.

So sieht unser fertiger Kabelfernauslöser aus.
Anwendungzwecke
Fertig - wir haben zwei Kabelfernbedienungen. Im Folgenden möchten wir noch einmal ein paar Anregungen geben, was sich mit den Fingerverlängerern alles anstellen lässt.
Erschütterungsfreies Auslösen
Selbst wenn die Kamera auf dem Stativ steht, muss das Bild nicht 100-prozentig scharf gelingen. Denn beim Betätigen des Auslösers auf der Kamera selbst wackelt der Fotograf immer auch ein kleines bisschen am Gehäuse - und das macht sich auf Bildern mit Verschlusszeiten zwischen 1/10 und 1 Sekunde durchaus deutlich bemerkbar. Dieses Problem lässt sich zwar auch mit einem Zwei-Sekunden-Selbstauslöser umgehen, doch dann ist es nicht mehr möglich, die Kamera exakt zum gewünschten Zeitpunkt auszulösen - beispielsweise genau dann, wenn ein Auto ins Bild fährt.
Selbstportraits
Wer mit einer DSLR Selbstportraits schießen möchte, braucht entweder unmenschlich lange Arme, extrem weitwinklige Objektive oder eine Kabelfernbedienung. Zwar gibt es auch einen Selbstauslöser-Modus, doch hier muss der Fotograf dann doch immer erst zur Kamera gehen, das Knöpfchen drücken, sich in Position bringen und dann auch noch hoffen, dass all das schnell genug ging - sonst knipst's zu früh. Mit dem Kabelfernauslöser hat man alle Zeit der Welt und kann auch hintereinander bequem haufenweise Fotos abspulen, ohne jedes mal durch die Gegend rennen zu müssen.
Aus der Deckung knipsen
Nicht jedes Motiv lässt sich freiwillig fotografieren. Und nein, wir reden hier nicht von der Nachbarin in der Dusche. Sondern zum Beispiel von den Vögeln im Vogelhäuschen, die einfach nicht so gerne zum Fressen kommen, wenn der Fotograf einen Meter daneben steht. Die Kamera mit Stativ dürfte dagegen weniger abschreckend wirken - und der Fotograf kann bequem aus dem Wohnzimmer fotografieren. Einzige Voraussetzung ist hier, dass das Kabel ausreichend dimensioniert ist.

Scheue Motive wie dieser Piepmatz lassen sich mit einer Kabelfernbedienung problemlos ablichten.
Langzeitbelichtung
Wenn 30 Sekunden Belichtungszeit nicht ausreichen, guckt man bei vielen Kameras in die Röhre - oder zieht sich beim Gedrückthalten des Auslösers im Bulb-Modus einen Fingerkrampf zu. Mit der Fernbedienung mit Kippschalter lässt sich die Bildaufnahme bequem starten und auf Wunsch auch erst nach mehreren Minuten wieder schließen. Die aktuelle Verschlusszeit zeigen viele Digicams auf dem Display an.

Lange Belichtungszeiten sorgen bei Wolken für dramatische Effekte.
Langzeitbelichtungen sind beispielsweise bei Nachtaufnahmen sinnvoll, bei denen mit niedrigen ISO-Empfindlichkeiten und hoher Blende für große Tiefenschärfe fotografiert werden soll. Auch lassen sich die Sterne im Nachthimmel in weitschweifende Spuren verwandeln. Und selbst bei Tag ergeben Langzeitbelichtungen Sinn. Geschäftige Plätze, die mit extrem langen Verschlusszeiten fotografiert werden, wirken plötzlich menschenleer - alles, was sich bewegt, verschwindet, wenn die Belichtungszeit nur lang genug ist. Um bei Tageslicht auf lange Verschlusszeiten zu kommen, braucht man allerdings einen Neutraldichtefilter, der auf das Objektiv aufgeschraubt wird und das einfallende Licht reduziert.
Serienbilddauerfeuer
Wer ein Event mit möglichst vielen Fotos dokumentiert haben möchte, kann die Kabelfernbedienung auch dazu nutzen, ein Serienbilddauerfeuer aufrechtzuerhalten. So lässt sich beispielsweise die Kamera bei einem Konzert von einem sicheren Ort aus auf die Bühne richten und aktivieren. Mit aktiviertem Serienbildmodus knipst die DSLR dann, bis entweder der Akku leer oder die Speicherkarte voll ist.

Unverhofft kommt oft: Wer nur ausreichend viele Fotos schießt, wird auch schon einmal mit einem solchen Schnappschuss belohnt.
Fazit
Kabelfernauslöser gibt es zwar auch für faires Geld zu kaufen, aber die Eigenbau-Version spart dennoch den einen oder anderen Euro, der dann ins nächste Objektiv investiert werden kann. Zudem bietet die selbst zusammengebastelte Fernbedienung mehr Freiheiten, was das Design angeht - Form, Kabellänge & Co. lassen sich problemlos an die eigenen Bedürfnisse anpassen.
Klicken Sie hier für die Vollversion dieses Artikels.

Artikel versenden
Lesermeinungen zum Artikel
.
www.fotocommunity.de/...
9.06.2005 um 23:46 Uhr
Ich hab nämlich aus dem 8df.de shop das RF-602rx set geholt
und da ist zwar eim kabel ein 3pol anschluss aber ein 3,5mm ausgang mit 2polen.
Heist also das isch da jetzt einen 2.5mm 3pol. klinkenstecker anlöte und denn hab ich einen fernauslöser mit scharfstellfunktion.
Freu ich mich schon drauf.
Also THX für das Bild
stilllifeundco.jimdo.com
Die Fernbedienungen gibts im Internet für weniger als 5€ fertig zu kaufen. Ich hab solch eine, mit Festhaltefunktion sogar, die funktioniert einwandfrei.
www.obostore.com/...
Copyright © 2012 NetMediaInteractive GmbH und © 2012 CBS Interactive, Inc. Alle Rechte vorbehalten.