Neues Handy? Kontakte, Termine & Co. herstellerübergreifend synchronisieren
Die ersten drei großen Elektronikmessen dieses Jahres sind vorbei. Was auf der CES in Las Vegas, dem Mobile World Congress in Barcelona und der CeBIT in Hannover an Handys, Smartphones und Tablet-PCs gezeigt wurde, lässt die Herzen vieler technikbegeisterter Menschen höher schlagen: neue Geräte, soweit das Auge reicht. Doch mit der Hardware alleine ist es nicht getan, schließlich spielen diese Kleincomputer ihre Stärken erst mit den Inhalten aus. Und dazu gehört neben den Apps, dass die eigenen Kontakte, der Kalender, die E-Mails und so weiter stets aktuell verfügbar sind. All diese Dinge muss man erst einmal auf das neue Gerät bekommen - und anschließend sollen sämtliche Daten automatisch synchronisiert werden.
Doch genau da fangen die Probleme an. Wer sich für ein neues Handy des gleichen Herstellers beziehungsweise eines mit dem gleichen Betriebssystem entscheidet, hat es noch vergleichsweise einfach. Wer aber umsteigt, hat mit mehr Hürden zu kämpfen. Wir zeigen im Folgenden, wie der Umstieg und die Datensynchronisation mit den verschiedenen mobilen Plattformen ohne einen Exchange-Server funktionieren.
Keine einheitliche Lösung für alle Geräte
Es gibt, soviel sei vorweg genommen, nicht den einen Königsweg, die Daten vom alten auf das neue System zu übertragen. Vielmehr kommt es auf die Hardware und das Betriebssystem des alten sowie des neuen Geräts an. Denn plattformübergreifende Dienste und Software zum Sichern und Übertragen der Handy-Daten unterstützen angesichts der Gerätevielfalt bei weitem nicht alle Systeme. So führt beispielsweise der Service von Vodafone360, der den früheren Backup-Dienst Zyb.com integriert hat, als Gerätehersteller immer noch BenQSiemens. Viele neuere Smartphones dagegen bleiben von der Synchronisierung ausgeschlossen.
Ebenfalls einen universellen Anspruch verfolgt die Software Mobile Master. Allerdings verliert das Programm mehr und mehr den Anschluss: Selbst das iPhone wird nicht unterstützt. Der Hersteller hat eine Liste der Geräte veröffentlicht, die mit der Software zusammenarbeiten. Alternativ kann man mit einer kostenlosen Testversion (Download) des Tools ausprobieren, ob es das eigene Handy richtig erkennt.

Das Programm Mobile Master erkennt viele neue Handys nicht, darunter das iPhone von Apple.
Eine gute Alternative für den Umstieg von Geräten mit Symbian und Windows Mobile 6.5 auf Android-Smartphones stellt die Software SPB Migration Tool dar. Dieses Programm erlaubt insbesondere das Umziehen der Kontaktdaten. Welche Handys beziehungsweise Smartpads unterstützt werden, zeigt die Seite www.migratetoandroid.com. Die Daten lassen sich entweder über das Web oder eine microSD-Karte übertragen. Das SPB Migration Tool gibt es für umgerechnet gut sieben Euro im Android Market.

Das SPB Migration Tool überträgt die Daten vom alten Handy auf neue Android-Geräte.
Eine einheitliche Software oder ein einheitlicher Cloud-Dienst für die Datenmigration existiert also nicht, deshalb betrachten wir im Folgenden die einzelnen Betriebssysteme der Mobiltelefone.
Ein Rückschritt bei Windows Phone 7
Als Quasi-Standard für den Datenabgleich hat sich in der Vergangenheit Microsoft Outlook entwickelt. Praktisch jeder Telefonhersteller hat eine Software zu seiner Hardware, die die Synchronisation mit den Outlook-Kontakten und -Konten gestattet. So gleicht man, falls noch nicht geschehen, die Kontakte vom alten Gerät zunächst mit Outlook ab, um sie von dort in das neue Handy zu laden.
Da ist es umso erstaunlicher, dass der Software-Hersteller von Outlook im neuen Windows Phone 7 keine direkte Möglichkeit mehr bietet, Kalender und Adressbuch per Kabel oder Bluetooth mit der Büro-Software auf dem PC abzugleichen. Genau das war eine der Stärken der früheren Windows-Mobile-Smartphones. So bleibt den Anwendern beim Handy-Betriebssystem von Microsoft nur, die Daten zunächst auf den Cloud-Dienst Windows Live hochzuladen und von dort wieder via UMTS oder daheim per WLAN ins Smartphone zu integrieren. Wie das funktioniert, zeigen wir weiter unten am Beispiel von Googles Online-Dienst.
Dass Microsoft bei Windows Phone 7 hier einen Schritt zurückgegangen ist, ist auch deshalb schwer nachvollziehbar, weil das Unternehmen den Handy-Herstellern sehr strenge Vorgaben bezüglich Ausstattung, Software und Bedienung macht. Damit verbleibt Microsoft de facto eine strenge Kontrolle über die Geräte mit seinem Betriebssystem - ähnlich streng, wie es Apple in seiner Sphäre praktiziert. Wie geradezu vorbildlich und einfach die Datensynchronisierung beim iPhone funktioniert, weiß jeder, der ein solches Gerät besitzt. Da ist es wirklich überflüssig, noch Ratschläge zur Einrichtung zu geben. Beim ersten Mal fragt iTunes, ob sich iPhone und Outlook synchronisieren sollen. Das war’s, von nun an aktualisiert das Programm sämtliche Adressänderungen, unabhängig ob man sie auf dem iPhone oder in Outlook vornimmt. Neben Outlook kann iTunes die Windows-Kontakte sowie die Online-Adressbücher von Google und Yahoo abgleichen. Und für alle anderen Anbieter gibt es immer noch den Umweg über Outlook oder einen der Cloud-Dienste.

Einfach und zuverlässig funktioniert die Synchronisation aller wichtigen Daten zwischen Rechner und iPhone mit iTunes.
Android? Am Besten mit Google
Im Gegensatz zu Windows Phone 7 und iOS ist die Android-Landschaft alles andere als einheitlich. Das SPB Migration Tool zum Übertragen von Windows Mobile und dem verbreiteten Symbian auf Android-Geräte haben wir bereits erwähnt.

Das Google-Adressbuch lässt sich auch zum Übertragen der Kontakte auf ein neues Handy nutzen.
In der Praxis geht auf den Mobiltelefonen mit dem Google-Betriebssystem ohne Google-Konto ohnehin nicht viel, deshalb spricht auch nichts gegen den Kontakte-Abgleich über das eigene E-Mail-Konto - und somit über die Cloud. Man exportiert seine Kontakte im aktuellen Outlook zunächst über Datei / Öffnen / Importieren / In eine Datei exportieren / Microsoft Excel / Kontakte in eine XLS-Datei. Für den Google-Import sind die Daten über die Tabellenkalkulation dann ins CSV-Format zu konvertieren. So lassen sie sich nach dem Einloggen mit dem Google-Konto am Rechner über die Funktionen Kontakte / Kontakte importieren in das Online-Adressbuch übernehmen. Hier kann man verschiedene Gruppen anlegen und besonders wichtige Daten in die Rubrik Starred in Android übernehmen. Dahinter verbergen sich die Favoriten auf dem Android-Gerät.
In der Praxis funktioniert dieser Ex- und Import des Adressbuches ziemlich reibungslos, im Einzelfall kommt man um das manuelle Bearbeiten der CSV-Datei in Excel aber doch nicht herum. Hilfestellung dazu bietet Google auf seiner Supportseite. Allerdings sollte man daran denken, dass dieser Weg eine Einbahnstraße ist. Änderungen auf dem Handy werden künftig zwar mit dem Google-Konto abgeglichen und umgekehrt, Outlook bekommt von diesen Änderungen aber nichts mehr mit.
Handys von Sony Ericsson lassen sich zudem mit dem kostenlosen Programm My Phone Explorer abgleichen, Samsung stellt mit Kies ebenfalls gratis eine Software zur Datensicherung und -synchronisierung zur Verfügung. Auch HTC hat etwas Ähnliches für seine Android-Smartphones im Angebot - hier nennt sich das Tool HTC Sync und steht im Support-Bereich nach Auswahl des konkreten Handy-Modells zum Download bereit.
Blackberry, Symbian & Co.
Blackberry synchronisiert die Daten mit Outlook über die Blackberry Desktop Software, die die Termine, das Adressbuch und vieles mehr problemlos per USB-Kabel zwischen Computer und Mobiltelefon übermittelt. Ähnlich unkompliziert stellt sich die Synchronisierung auf den Symbian-Geräten von Nokia dar. Die Ovi Suite auf dem PC erlaubt es, den Kalender und die Aufgabenlisten mit Outlook abzugleichen. Für das Adressbuch stehen zusätzlich zur Outlook-Kontaktliste die Windows-Kontakte zur Verfügung. Wer ein Bada-Handy besitzt, greift wiederum auf Samsungs Kies zurück, WebOS-Geräte von HP lassen sich mit dem Google-Konto sowie mit verschiedenen sozialen Netzwerken abgleichen.
Darüber hinaus werden Facebook, LinkedIn, Xing und so weiter immer präsenter. Manche der Anbieter stellen eigene Apps für den Datenabgleich zur Verügung. Ansonsten ermöglichen Vodafone360 und die Online-Dienste anderer Provider den Adressaustausch mit den sozialen Netzwerken. Doch momentan stellt Outlook noch den Standard als Werkzeug für die Datensynchronisierung dar. Schon das Windows Adressbuch wird nicht mehr von allen Programmen akzeptiert.

Die Nokia-Software Ovi Suite ist zwar nicht so schick wie iTunes, synchronisiert aber ebenfalls zuverlässig die Handydaten.
Dokumente, Bilder, Musik & Co.
Abschließend möchten wir einen weiteren Aspekt betrachten: Die Verfügbarkeit solcher Daten, die mit dem Mobiltelefon erst einmal nichts zu tun haben, beispielsweise Dokumente, Excel-Dateien, Fotos, Videos oder Musik. Wer diese Daten online speichert, hat darauf prinzipiell mit jedem Internet-fähigen Endgerät Zugriff. Wegen der automatischen Synchronisierung besonders komfortabel ist der Dienst Dropbox. Dieser lädt Daten aus bestimmten Ordnern auf dem PC oder Mac automatisch aufs iPhone, iPad, Android-Smartphones und Blackberrys. Speicherplatz im Bereich von circa 2 GByte ist kostenlos, etwas mehr Kapazität gibt es für das Werben neuer Nutzer. Deutlich mehr Volumen ist kostenpflichtig. Dropbox hat sich in der Praxis über Jahre bewährt, funktioniert problemlos und ist von daher zu empfehlen - vorausgesetzt, man vertraut seine Daten einem Online-Dienst in den USA an.

Die Software Dropbox synchronisiert beliebige Daten auf mobilen Geräten mit iOS, Android und Blackberry-OS.
Eine Art iTunes-Alternative für Android ist darüber hinaus DoubleTwist. Das Programm lehnt sich stark an die Apple-Kauf- und Sync-Software an und gleicht Multimedia-Dateien per Kabel und auf Wunsch sogar über WLAN ab.
Fazit
Die meisten Umsteiger dürften derzeit weg von Symbian und hin zu Android gehen - und genau dieser Weg gehört mit zu den Unkompliziertesten. Wer seine Datenschutzbedenken beiseite legen kann, fährt ohnehin am Besten mit der Cloud, packt also seine Kontakte, Termine & Co. zu Google, Apple oder Microsoft - und das, abgesehen von Apples Mobile Me sogar kostenlos. So ist der künftige Umstieg zu anderen Smartphones, Herstellern oder Betriebssystemen sogar noch einfacher. Nur der klassische Weg über Outlook bleibt mehr und mehr auf der Strecke.
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Lesermeinungen zum Artikel
"Wenn weg, dann weg"
Wer über mobile Dienste wie z.B. Google syncronisiert sollte regelmäßig manuelle Backups machen und systemunabhängig sichern...
...für Systemstörungen lässt sich auch kein Anbieter in Haftung nehmen.
viele grüße
brigitte
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