Tausend Bücher in der Handtasche: E-Book-Reader im Vergleich
Welches ist bei Amazon das bestverkaufte Produkt aller Zeiten - und damit besser als jeder Harry-Potter-Band? Der Kindle. Amazons Lesegerät für elektronische Bücher also. Schon Anfang November machte der amerikanische Online-Shop seinen internationalen Kunden klar, den Ebook-Reader keineswegs mehr vor Weihnachten ausliefern zu können: Zu gewaltig war die Nachfrage.
Dabei hat man hierzulande keineswegs den Eindruck, solche Lesegeräte seien ein Renner. In öffentlichen Verkehrsmitteln spielt zwar fast jeder mit seinem Handy herum, doch von Kindle & Co. ist wenig bis gar nichts zu sehen. Aber diese Wahrnehmung täuscht offenbar, denn nicht zuletzt infolge der Lieferschwierigkeiten von Amazon griffen offenbar viele Käufer gegen Ende des letzten Jahres zum Konkurrenzprodukt aus dem Hause Sony. Mit der Konsequenz, dass das Modell PRS 650 des japanischen Elektronikkonzerns inzwischen ebenfalls seit Wochen vergriffen ist. Sony konnte auf Anfrage kein Datum nennen, wann das Gerät wieder verfügbar sein wird.
Die Branche glaubt also nach Jahren des Zögerns an die digitalen Bücher. Selbst der Elektronikriese Mediamarkt verfügt mittlerweile über einen eigenen Ebook-Shop.

In Deutschland ist Amazons Kindle 3 bislang ohnehin nur als Direktimport erhältlich - aber auch das gestaltet sich schwierig: Das Gerät ist offensichtlich zu erfolgreich.
Ebook-Reader im Vergleich: der Test
Aber auch abseits von Sony und Amazon gibt es eine große Auswahl - darunter beispielsweise der "deutsche Kindle" Oyo, der im vergangenen Jahr von der Buchkette Thalia eingeführt wurde. Nun stellt sich also die Frage, welchen Reader man als Interessent denn nun kaufen soll. Der erste Teil der Antwort ist einfach: ein aktuelles Modell. Unbedingt, denn die neuen, in den vergangenen sechs Monaten erschienenen Varianten dieser noch jungen Geräteklasse sind deutlich besser als die Lesegeräte der ersten und zweiten Generation. Das gilt insbesondere für die Handhabung und das Display.
Die Displaytechnik leitet direkt zum zweiten Teil der Antwort weiter: welches Lesegerät konkret? Verglichen haben wir insgesamt zehn auf dem deutschen Markt erhältliche Modelle, von denen fast alle mit E-Ink-Displays oder vergleichbaren Anzeigen ausgestattet sind. Diese Panels sind nicht selbstleuchtend und entsprechen so im Vergleich zu einem "normalen" LCD ein Leseerlebnis, das sich am ehesten mit einem gedruckten Buch vergleichen lässt. Noch dazu ist der Energiebedarf dieser Technik vergleichsweise gering: Strom ist nur nötig, wenn sich der Inhalt wechselt. Damit lassen sich nicht nur stundenlang Bücher und Zeitschriften lesen, sondern gleich wochenlang.
Zu diesen Geräten gehört natürlich der Platzhirsch Kindle 3 von Amazon, den man auf der US-Seite des Shops für 139 US-Dollar auch in Deutschland bestellen kann. Inklusive Steuern, Zoll und Versand beläuft sich der Kaufpreis etwa auf den gleichen Betrag in Euro. Dieses Gerät glänzt mit einem hervorragenden Display auf Basis der aktuellen Pearl-Technik von E-Ink, auf dem sich unter allen Lichtverhältnissen sehr gut lesen lässt - selbst draußen im direkten Sonnenlicht. Ebenfalls herausragend gestaltet Amazon Handling und Bedienung: Die elektronischen Bücher lassen sich direkt auf dem Kindle bestellen und per WLAN sowie beim um 40 Euro teuren Modell zudem per UMTS aufspielen. Das funktioniert auch ohne Computer problemlos. Den Testsieg kann sich das US-Gerät trotzdem nicht sichern, dafür gibt es einen einfachen Grund: Das Angebot deutscher Ebooks im Amazon-Bookstore ist marginal. Mit den in deutschen Online-Buchshops offerierten elektronischen Büchern im ePub-Format kann der Kindle nichts anfangen. Wann es einen deutschen Amazon-Store für elektronische Bücher geben wird, konnte das Unternehmen auf Anfrage nicht beantworten. Die Vorbereitungen aber laufen offenbar, denn das Unternehmen sucht in seiner Jobbörse einen "Head of Content acquisition Kindle DE".
Insgesamt am meisten überzeugt der schon genannte Sony-Reader PRS 650, der trotz seines stolzen Preises von 230 Euro derzeit vergriffen ist. Dieses Gerät ist das einzige weitere mit der Pearl-Display-Generation, die besonders kontrastreich und damit gut lesbar ist. Zudem reagiert der Reader sofort auf Tastendruck oder Berühren des Touchscreens und die Bedienung gelingt intuitiv, so dass man keinen Blick in die Anleitung werfen muss. Die digitalen Bücher selbst muss man allerdings per USB-Kabel übertragen. Der große Bruder PRS 950 mit WLAN-Modul ist in Deutschland noch nicht erhältlich.
Sehr unterschiedliche Bedienkonzepte
Ein ähnliches Konzept wie Amazon mit Geräteanbindung direkt an den Online-Shop bieten die Buchkette Thalia mit Ihrem OYO-Reader sowie Pocketbook mit dem Pro 602. Auf der Thalia-Webseite stehen mehrere zehntausend Ebooks zum Kauf bereit. Dank WLAN funktioniert auch das Übertragen auf das Lesegerät problemlos. Die einfache Bedienung kann aber nicht über die Schwächen hinwegtäuschen: So reagiert der mit 139 Euro günstige OYO ziemlich träge und die Schrift ist deutlich kontrastärmer als bei Amazon und Sony. Ab 10. Februar verkauft Thalia auch eine UMTS-Version für 189 Euro.
Etwas teurer, aber fast gleich gut sind die drei Reader von Acer, Bookeen und Pocketbook. Das Acer-Modell LumiRead 600M kostet rund 180 Euro und ist per WLAN an den Online-Shop von Libri angeschlossen. Über die Tastatur kann man schnell und gezielt nach Titel, Autor oder Stichworten suchen. Der eingebaute ISBN-Scanner, der in der Buchhandlung oder Bücherei den Barcode vom Cover eines gedruckten Buches einliest, macht dagegen erst im 50 Euro teureren UMTS-Modell richtig Sinn, wenn man das Ebook auch gleich kaufen kann. Der Cybook Orizon von Bookeen schlägt selbst ohne UMTS-Modul mit 220 Euro zu Buche Dafür glänzt er mit solider Verarbeitung und einem kapazitiv arbeitenden Touchscreen, der auf Zweifingergesten reagiert. Dieses Merkmal ist unter den Ebook-Readern derzeit einmalig. Der Pocketbook-Reader arbeitet ebenfalls per WLAN und ermöglicht damit den Zugriff auf den Libri-Shop. Auch sonst ist das Gerät grundsolide und einfach zu bedienen, hat Wörterbücher zum Übersetzen sowie noch vieles mehr an Board.
Die übrigen Geräte fallen im Vergleich zu den Spitzenmodellen deutlich ab: Der Trekstor ist zwar auch ein Ebook-Reader, doch mit seinem Farb-LCD-Monitor legt der Hersteller den Schwerpunkt mehr in Richtung Multimedia-Player. Während die Displays der anderen Geräte auf Basis elektronischer Tinte nur beim Umblättern Strom verbrauchen und in der Praxis mindestens zwei Wochen Lesegenuss ohne Nachladen gestatten, ist der Trekstor eBook Player 7 schon nach rund acht Stunden leer. Da muss man sich beim Lesen also etwas beeilen - oder regelmäßig nachladen.
Der über den Versender Pearl vertriebene eLyricon ist im Vergleich zum restlichen Testfeld schlampig verarbeitet. Das Iriver-Modell enttäuscht hingegen mit seinem spiegelnden und kontrastschwachen Display sowie regelmäßigen Fehlermeldungen. Auch der neue Prestigio-Reader PER3362B ist nur Mittelmaß: Das Gerät reagiert sehr langsam auf Nutzereingaben, die Anleitung lässt unerfahrene Anwender beim Kauf und beim Aufspielen der Inhalte völlig alleine, und auch an manch anderer Stelle hakt es. 200 Euro sind im Vergleich zur Konkurrenz einfach zu teuer.
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In der Praxis störend: Das Display des eLyricon spiegelt stark.
Ebooks und Reader in der Praxis
Während Thalia, Acer und Pocketbook das Amazon-Konzept des integrierten Buchshops nachahmen, machen es die übrigen Hersteller ihren Käufern weniger leicht. In aller Regel muss man sich mit Digital Rights Management (DRM) und damit auch den Tücken dieses Kopierschutzes herumschlagen. Während technikaffine Menschen die Installation des Signaturprogramms Adobe Digital Editions, das Erstellen einer Adobe-ID und die Autorisierung ihres Lesegerätes noch schaffen dürften, ist eine solche Prozedur sicher nichts für solche Zeitgenossen, die einfach nur Bücher lesen möchten. Um auch diese Zielgruppe zu erreichen, müssen Gerätehersteller und Ebook-Anbieter noch umdenken. So wie es die Musikindustrie getan hat, die ihre Songs nach holprigen Versuchen inzwischen zu moderaten Preisen als MP3-Datei ohne Kopierschutz verkauft.
Das Angebot von über 50.000 deutschen Ebook-Titeln kann zwar noch lange nicht mit der riesigen Auswahl von Amazon in den USA konkurrieren. Andererseits gibt es von den gedruckten Bestsellern inzwischen rund zwei Drittel als Ebooks. Auf alle Neuerscheinungen bezogen erscheint etwa ein Drittel in digitaler Form, resümiert Michael Schneider, Referent für elektronisches Publizieren im Verleger-Ausschuss beim Börsenverein.

Vom gerade entstehenden Kuchen rund um elektronische Bücher und deren Leseregeräte wollen der klassische Buchhandel, Online-Versender und Elektro-Handelsketten wie Media Markt mit frisch gestarteten Shop-Angeboten profitieren.
Übrigens: Auch die elektronischen Bücher unterliegen in Deutschland einer Buchpreisbindung. Ihr Preis kann aber von dem des gedruckten Werkes abweichen und tut dies meistens auch: Ebooks sind oft 15 bis 20 Prozent günstiger.
Fazit: Perfekt für Menschen, die viel lesen
Insbesondere die Displays der Reader von Amazon und Sony sind sehr gut und die Laufzeiten mit einer Akkuladung enorm, denn die elektronische Tinte verbraucht anders als LCD- oder LED-Displays nur beim Umblättern Strom. Die Geräte erlauben meist 7.000 bis 12.000 Seitenwechsel, was auch für einen ausgiebigen Badeurlaub reicht.
Zudem sind die Reader handlich und wiegen mit gut 200 Gramm nur rund ein Drittel eines Apple iPad. Schon in den internen Speicher von meist 2 GByte passen rund 1000 Bücher, ganz zu schweigen von der Kapazität mit eingeschobener SD- oder Micro-SD-Karte. Wer’s mag, auf die Haptik eines echten Buches verzichten kann und dazu noch die eine oder andere DRM-Tücke nimmt, spart mit einem Ebook-Reader unterwegs Gewicht sowie daheim wertvollen Regalplatz.
Bis es das Wunschgerät (wieder) gibt, kann man mit den Apps von Amazon, Libri und Co für Android-Handys und das iPhone schon mal im Miniaturformat lesen. So angenehm wie bei den echten Ebook-Readern ist das zwar nicht - aber der Akku ist bei Dauerbeleuchtung ohnehin schnell leer.
Ebook-Reader im Vergleich

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Lesermeinungen zum Artikel
In den USA hat aber die größte Buchhandlungskette Barnes&Noble mit dem "nook" und dem "nookcolor" Konkurrenzprodukte auf den Markt gebracht. Der "nookcolor" unterscheidet sich von allen Anderen durch seinen farbigen LCD- Bildschirm, der natürlich selbstleuchtend ist und einen hervorragenden Kontrast bietet. Er ermüdet die Augen nicht wie ich selbst feststellen konnte. Nach Angaben von B&N ist eine Akkuladung gut für 8 Stunden Lesezeit. Bei meinem Sony PRS 600, den ich gerne und ausgiebig benutze soll sie, lt. Sony, mehrere 1000 Seiten zulassen. Mein Exemplar schafft es, nach einem Akkuaustausch unter Garantie, auf nur ein paar hundert Seiten. Ich würde heute einen noolcolor kaufen zumal er noch ander Vorteile bietet (siehe Website von Barnes&Noble).
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