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Megaupload: Wie Kim Schmitz mit fremden Video-Uploads Millionen gescheffelt hat

Von Daniel Schräder
24. Januar 2012, 15:44 Uhr

Fette Autos, das teuerste Anwesen in Neuseeland, Werbevideo mit Musik-Stars auf Youtube: "Unauffällig" kann man den Lebensstil des 1974 in Kiel geborenen Kim Schmitz nicht nennen. Vielleicht auch das Leben auf großem Fuße hat dafür gesorgt, dass der Unternehmer und selbsternannte Hacker nun in U-Haft sitzt: Nach zwei Verhaftungen, unter Anderem wegen Computerbetrugs 1998 und wegen Insider-Handels 2002 tauchte sein Name 2007 im Zusammenhang mit dem Sharehoster Megaupload auf. Vergangen Donnerstag gab es eine Razzia auf dem Gelände seiner Villa.

Offensichtlich kann man mit Raubkopien viel Geld verdienen. Doch weder Schmitz noch seine Mannen ließen sich auf dubiosen Märkten mit gebrannten DVDs in großen Stapeln erwischen - und die Nutzung des Dienstes ist doch eigentlich kostenlos. Wir haben recherchiert, wie bei Megaupload Millionen für Schmitz & Co. übrigbleiben.

Wie Megaupload funktioniert

Das Prinzip eines Sharehosters ist einfach: Entsprechende Unternehmen wie das kürzlich geschlossene Megaupload und seine Konkurrenten wie Rapidshare stellen kostenlosen Speicherplatz im Internet zur Verfügung. Nutzer des Angebots können Dateien in beliebiger Größe meist ohne Anmeldung hochladen und erhalten einen Download-Link, über den wiederum das Herunterladen der Daten möglich ist.

Was der Inhalt der Dateien ist, weiß der Anbieter nicht - und will es auch gar nicht wissen. Denn per Gesetz ist er nicht zur Überprüfung verpflichtet, muss sie aber löschen, sobald er Kenntnis von Rechtsverletzungen erhält. Dementsprechend gibt es auch keine Suchfunktion auf der eigentlichen Sharehoster-Seite. Frei nach dem Motto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Zu Hochzeiten soll das Unternehmen satte 25 Petabyte Speicher angemietet haben - das entspricht 25.600 Terabyte. Oder fünfeinhalb Millionen DVDs, 33 Millionen Filmen im DivX-Format oder 53.000 Jahre Non-Stop-Musik im MP3-Format. Aber woher kommen all die Daten?

Dick im Geschäft: Neben Megaupload betrieb Schmitz diverse weiter Angebote, darunter auch den ebenfalls geschlossene Streaming-Anbieter Megavideo.
Dick im Geschäft: Neben Megaupload betrieb Schmitz diverse weiter Angebote, darunter auch den ebenfalls geschlossene Streaming-Anbieter Megavideo.

Woher die Raubkopien stammen

Mit der eigentlichen Beschaffung von Kinofilmen, Serien & Co. hatte Schmitz wohl nichts am Hut. Die Finger haben sich andere schmutzig gemacht. Federführend bei der Verbreitung von Kinofilmen, Computerspielen, Software-Programmen oder Serien sind die Release-Groups. Das sind weltweit agierende Gruppen, deren Mitglieder meist ausschließlich online kommunizieren und sich in der realen Welt kaum kennen - und sie stehen in starkem Wettbewerb zueinander.

Wer einen neuen Kinofilm, ein neues PS3-Game oder die neueste Staffel einer Serie zuerst in möglichst guter Qualität verbreitet, hat gewonnen. Es ist ein Sport. Geld wird hier keines erwirtschaftet, es geht nur um die Ehre - und somit ist es schwer, jemanden zu fassen. Welche der Release-Groups bei einer Raubkopie die Finger im Spiel hatte, erkennt man häufig schon am Dateinamen. Eine Liste bekannter Gruppen gibt es in der Wikipedia.

Reaktionen: Auf Facebook formt sich eine Gruppe, die Megaupload zurück haben möchte. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses hatte sie 36 Mitglieder.
Reaktionen: Auf Facebook formt sich eine Gruppe, die Megaupload zurück haben möchte. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses hatte sie 36 Mitglieder.

Wie die Filme gefunden werden

So - jetzt haben Release-Gruppen ihre heiße Ware auf einen Sharehoster hochgeladen und einen Link erhalten, über den der Download möglich ist. Die Dateien haben meist wirre Namen, bestehend aus zufälligen Zeichen - und sie haben nichts mit dem Inhalt zu tun. Zu auffällig wäre es, "Pirates of the Carribean 3" hochzuladen. Unauffälliger dagegen ist schon "priKS22u" - und unauffindbar sowieso.

Wer etwas herunterladen möchte, benötigt eine Liste mit den richtigen Links. Sie werden beispielsweise in einschlägigen Foren für Mitglieder veröffentlicht oder auf Webseiten, die vergleichbar sind mit dem im Juni 2011 geschlossenen Streaming-Portal Kino.to. Besucher klicken sich hier durch Kategorien und finden die richtigen Verknüpfungen zu den Dateien bei Megaupload & Co. - und nur einen Klick weiter geht der Download los.

Die verlinkenden Webseiten machen gutes Geld mit Werbung. Allein auf spanischen Konten, die dem Hauptbeschuldigten in der Kino.to-Sache zugeordnet werden, fanden die Fahnder rund 2,5 Millionen Euro. Kim Schmitz hat an dieser Stelle noch immer keinen Cent gesehen.

Wie Megaupload Geld verdient

In den vergangenen 5 Jahren soll das Unternehmenskonstrukt rund um Megaupload Rechnungen in Höhe von 65 Millionen Dollar an Internet-Provider bezahlt haben - für die Speicherung von Dateien und für den Datentransfer. Viel Geld, aber Peanuts im Vergleich zu den geschätzten 175 Millionen Dollar, die das Unternehmen in der gleichen Zeit umgesetzt hat.

Einen kleinen Teil dieses Geldes soll Schmitz mit Werbeerlösen rund um Megaupload eingenommen haben: 25 Millionen Dollar. Wer einen Download starten möchte, muss zunächst Banner ertragen und sich durch diverse Webseiten klicken, bevor es losgeht. Noch dazu gibt es Zwangspausen und Wartezeiten - sie dienen ebenfalls dazu, dem Nutzer Banner und Popups zu präsentieren.

Geschlossen: Beim Blick auf die Megaupload-Seite gibt es jetzt nur noch einen Hinweis des FBI zu sehen.
Geschlossen: Beim Blick auf die Megaupload-Seite gibt es jetzt nur noch einen Hinweis des FBI zu sehen.

Der Hauptzweck dieser Schikane ist es allerdings, den Anwender zu nerven. Gerade große Dateien wie Filme sind häufig unterteilt in viele kleine, um Probleme bei der Datenübertragung besser ausmerzen zu können. Und so müssen sich Downloader gut und gerne 50 Mal durch Banner-Orgien klicken und teilweise stundenlange Zwangspausen hinnehmen, bis sie an die gewünschten Daten kommen. Oder sie werden - gegen Gebühr - Premium-Mitglied bei Megaupload. Bis zu 260 Dollar werden dafür fällig, dafür versprach das Unternehmen hinter Schmitz aber auch lebenslang flotte Downloads..

Dass das Leben des Unternehmens dabei schneller vorbei ist als das des Users hat dabei wohl kaum jemand bedacht. Nichtsdestotrotz soll Schmitz mit den Abo-Gebühren der Nutzer circa 150 Millionen Dollar umgesetzt haben. Allein von Paypal seien 110 Millionen geflossen, schreibt Spiegel Online. Genug für die Miete der 15-Millionen-Dollar-Villa, genug für einen fetten Fuhrpark, exzessive Partys und ein großspuriges Leben.

Kim Schmitz alias Kim Dotkom oder Kimble liebt den großen Auftritt.
Kim Schmitz alias Kim Dotkom oder Kimble liebt den großen Auftritt.


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