Sieben Kopfhörer der Spitzenklasse: Vergleichstest von 900 bis 3000 Euro
Eine "fortgeschrittene Technologie ist nicht von Magie zu unterscheiden". Für Toaster, Stehlampen und Eierkocher gilt dieses Zitat des Science-Fiction-Schriftstellers Arthur C. Clarke sicher nicht. Für Highend-Kopfhörer schon eher. Sie bieten bei jeder Art von Musik ein großartiges Klangerlebnis, und sie schenken ihrem Besitzer magische Momente. Etwa, wenn man die Augen schließt und das Saxofon von Stan Getz scheinbar vor einem schwebt. Oder wenn die Sängerin Adele ihr ergreifendes "Someone like you" zur Klavierbegleitung anstimmt.
Allerdings gibt es Menschen, die Highend nicht für Magie, sondern schlicht für Voodoo halten. Wer erzählt, er habe sich gerade einen tollen Kopfhörer für 2000 Euro gekauft, der erntet zumeist ungläubige Blicke. Vor allem, wenn derjenige noch hinzufügt, er habe dazu leider auch einen Kopfhörerverstärker für 500 Euro kaufen müssen. Die Geschichte mit dem teuren Cinchkabel sollte er lieber ganz weglassen.
Besser als live
Gegen solche Skepsis hilft nur, mal selbst reinzuhören. Da merken auch hartgesottene Highend-Skeptiker, dass hochwertige Hörer ein ganz eigenes Hörerlebnis vermitteln. Dabei geht es gar nicht darum, dass die Musik fast so klingt wie live. Genau das tut sie nämlich nicht. Sie klingt sogar besser. Denn im Konzert bekommt der Besucher ja auch optische Eindrücke, die von den musikalischen Details ablenken. Der Geiger, der Tschaikowskis Violinkonzert mit schmerzhaft verzogenem Gesicht spielt, die hübsche Pianistin, die den Chopin-Walzer so artig aus den Händen perlen lässt oder der bizarr umhertobende Rock-Gitarrist, all das lenkt von den musikalischen Details ab. Anders der Kopfhörer. Er präsentiert Musik und sonst nichts. Highendige Geräte machen dabei auch feinste Details und winzige Nuancen hörbar. Musik wie unter einer Lupe. Das ist ungefähr so wie der Unterschied zwischen einer Blu-ray und einer alten VHS-Kassette.

Schlichtes Äußeres und Hightech im Inneren: Nicht jeder Hersteller lässt sich so bereitwillig in die Karten gucken wie Denon bei seinem AH-D7000.
Mehr Sound-Bits pro Euro
Die Highend-Hörer sind scheinbar irrsinnig teuer, bieten aber eine Menge fürs Geld. Wollte man die gleiche Klangqualität mit Lautsprecherboxen haben, müsste man um ein Vielfaches mehr Geld ausgeben. Kopfhörer sind der preiswerteste Weg zum anspruchsvollen Musikgenuss. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Der Sound aus dem Lautsprecher ist immer abhängig vom Raum, in dem sie stehen. Ein ungünstig geschnittener Raum ohne dämpfende Elemente wie Teppich, Sofas oder Vorhängen macht den besten Boxen den Garaus. Der Sound im Kopfhörer ist dagegen völlig unabhängig vom Raum. Es gibt also ein paar gute Argumente für die Highend-Klangschalen.
Wir haben sieben Modelle getestet. Diese gehören allesamt zur Weltspitze des Kopfhörer-Baus und demonstrieren, was heute an Klangqualität machbar ist. Darunter sind der brandneue Stax SR-507 aus Japan, sowie der LCD-2 vom Start-up Audez'e aus den USA. Zusammen mit den Topmodellen von Sennheiser, Denon, Grado, Beyerdynamic und Ultrasone ist ein nahezu komplettes Testfeld der Spitzenklasse-Kopfhörer am Start. Um der anspruchsvollen Elektronik der Schallwandler auf den akustischen Zahn fühlen zu können, reicht es natürlich nicht, sie an einen x-beliebigen Verstärker anzustöpseln. Deshalb haben wir auch CD-Player und Kopfhörerverstärker aus dem Highend-Bereich verwendet. Der Beschreibung des Testaufbaus findet sich am Ende dieses Artikels.
Das sind die Testkandidaten:
- Audez'e LCD-2
- Beyerdynamic T 1
- Denon AH-D7000
- Grado GS-1000
- Sennheiser HD 800
- Stax SR-507
- Ultrasone Edition 10
Grado GS-1000 und Stax SR-507
Grado GS-1000 – Der ehrliche Handwerker
Ausgeglichen, natürlich, unaufgeregt und ehrlich - so lässt sich das Klangbild des Grado charakterisieren. Die Stimme des Startenors Juan Diego Floréz in "Una Furtiva Lagrima schwebt weich und natürlich ins Ohr. Auch Haydns Streichquartett op. 76, No. 2, gespielt vom Buchberger Quartett kommt sehr nuanciert rüber. Das transparente Klangbild des Grado lässt klassische Orchesterwerke, Jazz und Pop gleichermaßen gut aussehen. Auch am trockenen und wuchtigen Bass und der präzisen Raumabbildung gibt es nichts zu meckern. Die imaginäre Bühne wirkt aber nicht ganz so groß wie beispielsweise bei Sennheiser oder Ultrasone.
Rechte Begeisterung kommt aber nicht auf. Im Vergleich zum Sennheiser oder zum Stax arbeitete der GS-1000 nicht ganz so hochauflösend und detailfreudig. Vielleicht fehlt ihm auch ein Quäntchen Präsenz und Attacke. So wirkt der ehrliche Grado im Club der weltbesten Kopfhörer ein bisschen zu brav, um wirklich begeistern zu können. Ehrlichkeit zahlt sich eben nicht aus.
Trotzdem: Der Grado GS-1000 ist ein natürlich klingender, hochwertiger Kopfhörer - ideal für Leute, die auf ein entspanntes Musikerlebnis ohne Effekthascherei aus sind.
Verarbeitung und Ausstattung: Mahagoni-Holzschalen, sehr leicht, die großen Schaumstoffpolster drücken nicht, die Bügelkonstruktion ist schlicht, aber zweckmäßig.
Eckdaten des Grado GS-1000:
- Prinzip: dynamisch, offen
- Impedanz: 32 Ohm
- Gewicht: 250 Gramm
- Kabel: 2 Meter
- Preis: circa 1000 Euro
- Internet: Grado
Stax SR-507 - Der strenge Feingeist
Das japanische Unternehmen Stax hat sich auf elektrostatische Kopfhörer spezialisiert. So auch beim brandneuen SR-507. Dabei wird eine extrem dünne, aber großflächige Kunststofffolie, ein sogenanntes Diaphragma, in einem elektrischen Hochspannungsfeld bewegt. Die dünne Folie reagiert so fast verzögerungsfrei auf feinste Nuancen der Musik. Die Hochspannung wird von einem Speiseteil erzeugt, das für den Stax zwingend nötig ist. Im Test benutzten wir das Speiseteil SRM-600, das mit Röhren ausgestattet ist. Röhrenverstärker sind für ihren besonders feinzeichnenden und warmen Klang bekannt.
Der Stax gehört zu den Hörern, die einem magische Momente schenken. Er spielt ruhig, souverän, geschmeidig und ungeheuer nuanciert. Perfekte Auflösung und Feinzeichnung, ohne deshalb übertrieben analytisch zu wirken. Vor allem bei Jazz und Klassik zeigt der Japaner seine wahre Größe. Beim Stück "I'm okay", vorgetragen vom Saxofonisten Stan Getz und dem Pianisten Kenny Barron, schwebt das Saxofon völlig glaubhaft und echt im Raum. In Verbindung mit der perfekten Raumabbildung und der geschmeidig-fließenden Wiedergabe ergibt sich eine geradezu gespenstisch echte Abbildung. Man schließt die Augen und sitzt mitten im Club. Kein anderer Hörer erreicht diese umwerfende Kombination aus Feinzeichnung und Durchsichtigkeit. Auch die Positionierung der Instrumente im Raum gelingt dem SR-507 perfekt. Wenn Bryan Ferry mit seiner Jazz-Combo den Swing-Klassiker "Easy Living" singt, dann glaubt man, jedes einzelne Instrument zu sehen.
Ganz gleich, ob Jazz, anspruchsvoller Pop, großes Orchester, Violinkonzert oder Oper, der Elektrostat beschert ein betörend "echtes" und musikalisch abgerundetes Klangerlebnis. Schwächen zeigt der Stax höchstens bei jener Art von Musik, für die er nicht gemacht ist. Bei brachialem Heavy Metal geht dem japanischen Feingeist dann doch etwas die Puste aus. Aber für Headbanger ist der Stax eben der falsche Partner.
Den Stax gibt es auch mit Transistor-Speiseteil, da spielt er einen Tick zackiger, am Grundcharakter ändert das aber nichts. Er ist ein Hörer für sehr anspruchsvolle Genießer, die klangliche Schönheit und realistische Wiedergabe in einem haben wollen.
Verarbeitung und Ausstattung: Sitzt sehr bequem, weiche Lederpolster. Die Konstruktion wirkt etwas filigran. Das Röhrenspeiseteil zieht mit 35 Watt relativ viel Strom und wird nach einiger Zeit auch recht warm.
Eckdaten des Stax SR-507:
- Prinzip: elektrostatisch
- Gewicht: 388 Gramm
- Kabel: 2,5 Meter, sechsadrig
- Preis: circa 3000 Euro (mit Speiseteil SRM-600)
- Internet: Stax
Sennheiser HD 800 und Denon AH-D 7000
Sennheiser HD 800 - Der souveräne Tonmeister
Der HD 800 ist der Allrounder im Testfeld. Was nicht abwertend gemeint ist, denn er bewältigt jede Art von Musik souverän. Das Klangbild ist sehr weiträumig, ohne dadurch an Präsenz und Druck zu verlieren. Instrumente erscheinen völlig natürlich und klar gestaffelt. Der HD 800 ist aber auch ein Meister in Sachen Feinzeichnung und Auflösung. Bei dynamischen Orchesterwerken wie beispielsweise Gustav Holsts "Mars" zeigt der Sennheiser seine Klasse und baut glaubhaft ein großes Orchester auf. Auch bei Gesang gibt er sich keine Blöße. Wenn Nuri Rial und Lawrence Zacco Händels Arie "Caro Amico Amplesso" anstimmen, dann gibt sie der HD 800 frappierend natürlich und echt wieder.
Auch für Hardrock und dynamische elektronische Musik hat er genug Temperament. Bei Black Country Communions Nummer "The Great Divide" agiert er druckvoll und lässt die Bassmuskeln spielen. Dabei bleibt der HD 800 aber immer differenziert und genau. Wie ein Tonmeister, der auch bei der wildesten Jamsession kühlen Kopf bewahrt und alle Instrumente souverän abmischt und im Raum platziert.
Insgesamt ein Meisterstück deutscher Ingenieurskunst. Ein großartiger Allrounder für Hörer, die sich nicht auf eine Musiksparte festlegen wollen. Einziges Manko, wenn man denn unbedingt eines finden will, ist vielleicht eine gewisse Sachlichkeit bei der Musikwiedergabe. Die Geschmeidigkeit und den musikalischen Fluss des Stax erreicht er nicht ganz, was dem Spaß aber keinen Abbruch tut.
Verarbeitung und Ausstattung: Die massive Konstruktion ist sehr stabil, das futuristisch anmutende Design würde auch auf die Kommandobrücke von "Battlestar Galactica" passen. Für jedes Modell kann der Käufer im Internet ein Frequenzprotokoll abrufen. Die Kabel lassen sich abnehmen. Sehr guter Tragekomfort, Ohrmuscheln aus Mikrofaser. Auch bei Kopfbewegungen völlig knarzfrei.
Eckdaten des Sennheiser HD 800:
- Prinzip: dynamisch, offen
- Impedanz: 300 Ohm
- Gewicht: 330 Gramm
- Kabel: 3 Meter, zweiseitig
- Preis: circa 1000 Euro
- Internet: Sennheiser
Denon AH-D 7000 - Der charmante Kapellmeister
Der Denon spielt so wie er aussieht: duftendes Leder, glänzend lackierte Mahagoni-Schalen, goldener Denon-Schriftzug. Der Sound: geschmeidig, feinzeichnend, weiträumig und tendenziell dunkel abgestimmt. Vor allem die Feinzeichnung und der wunderbare musikalische Fluss begeistern. Dabei vernachlässigt Denons Flaggschiff Sekundärtugenden wie genaue Platzierung der Schallquellen und ehrliche Wiedergabe keineswegs und unterschlägt auch Details nicht. Er gibt nur immer ein bisschen Schmelz dazu, wie ein Kapellmeister beim Sonntagskonzert, der weiß, was er seinem Publikum schuldig ist und daher die Streicher eine Spur seidiger und die Bläser eine Spur leuchtender ertönen lässt.
Für das üppige Klangbild verantwortlich ist vermutlich der ausgeprägte Tiefbass. Deutlich wird das am Elektro-Titel "Melankoli" von Lulu Rouge. Den pochend anmarschierenden Tiefbass, mit dem das Stück beginnt, hört man im Denon früher als mit jedem anderen Kopfhörer. Der Bass trägt zum voluminösen Sound bei, wird aber niemals aufdringlich. Er bildet eher eine weiche, federnde Unterlage für Stimmen und Instrumente.
Für Freunde des sachlich-analytischen Klangs ist der Denon nicht die erste Wahl, auch erreicht er nicht ganz die mikroskopische Präzision und Präsenz der Kollegen von Sennheiser und Beyerdynamic. Für Musikgenießer gehört der Schönspieler aber unbedingt in die erste Reihe.
Verarbeitung und Ausstattung: Sehr sauber verarbeitet, Ohrmuscheln leicht verstellbar, geflochtene Kabelumhüllung aus Elastomer. Weiche Lederpolster sorgen für bequemen Sitz, knarzt nur selten. Lieferung in luxuriöser Box.
Eckdaten des Denon AH-D7000:
- Prinzip: dynamisch, geschlossen
- Impedanz: 25 Ohm
- Gewicht: 370 Gramm
- Kabel: 3 Meter, zweiseitig
- Preis: circa 1100 Euro
- Internet: Denon
Ultrasone Edition 10 und Beyerdynamic T 1
Ultrasone Edition 10 - Der luftige Schöngeist
Der Ultrasone gehört wie der Stax und der Denon in die Riege der edlen Schönspieler. Seine herausragende Eigenschaft ist sicher das sehr weiträumige und luftige Klangbild. Sehr angenehm für langes, entspanntes Hören. Im Prinzip macht der in Bayern gefertigte Ultrasone alles richtig: Streicher kommen seidig, Jazz und Kammermusik wirken differenziert und natürlich, alle Instrumente wirken bei geschlossenen Augen wie echt und sind ordentlich im Raum gestaffelt.
Im Vergleich zum Grado spielt der Ultrasone noch eine Spur durchsichtiger und wärmer. Im Vergleich zum Denon wirkt er zurückhaltender. Gegenüber dem Sennheiser fehlt es etwas an Temperament und Präzision.
Ein anspruchsvoller, aber unspektakulärer Partner für Musikhörer, die lange und entspannte Musikabende bevorzugen, und dabei auf das letzte Quäntchen Präsenz verzichten können.
Verarbeitung und Ausstattung: Untadelige Verarbeitung, verhältnismäßig leicht, sitzt bequem, zweiseitige Kabelzuführung. Transportkoffer und Standfuß werden mitgeliefert.
Eckdaten des Ultrasone Edition 10:
- Prinzip: dynamisch, offen
- Impedanz: 32 Ohm
- Gewicht: 262 Gramm
- Kabel: 3 Meter
- Preis: circa 2000 Euro
- Internet: Ultrasone
Beyerdynamic T 1 - Der präzise Athlet
Mehrere Jahre Entwicklung hat das Heilbronner Unternehmen Beyerdynamic in den T 1 gesteckt. Highlight ist die Tesla-Technik. Diese baut bei gleicher Eingangsleistung ein stärkeres Magnetfeld auf. Das soll für eine besonders detailreiche und antrittsschnelle Wiedergabe sorgen.
Tatsächlich besticht der D1 durch seinen direkten und lebhaften Sound. Bei Kraftwerks "Musik Non Stop" agiert er enorm präzise und lebendig, fast athletisch. Das Stück groovt enorm, mehr noch als bei sensiblen Schönspielern von Denon, Ultrasone oder Stax. Feinste Details und Nuancen vergisst der T 1 trotzdem nicht. Man hört förmlich die Relais schalten, die Widerstände ächzen, und die Transistoren knistern. Die scheinbar bekannte Elektro-Pop-Nummer verwandelt sich in eine komplexe, pulsierende Soundlandschaft. Einer der magischen Momente in den Hörsessions.
Auch mit wohltemperierter Klassik oder Jazz hat der T 1 keine Probleme. Stimmen und akustische Instrumente gibt er sehr realistisch und ausgewogen wieder und beweist hier seine Qualitäten als echter Hingehender. Im Vergleich zum Sennheiser spielt er allerdings nicht ganz so weiträumig und luftig, die Instrumente wirken wie enger zusammengestellt. Das kommt dem Drive und der Präsenz zugute, könnte aber auf Dauer und bei hohen Lautstärken schon mal eine Spur hart wirken. Der Beyerdynamic spielt nicht ohne musikalischen Schmelz, im Vergleich zum Denon ist es aber ein gewissermaßen gehärteter Schmelz.
Insgesamt ein toller Hörer für Leute, die einen kraftvollen und präzisen Sound lieben.
Verarbeitung und Ausstattung: Durch die Metallbügel ist der T 1 sehr stabil. Dank weicher Polster sehr bequem. Kunststoffummanteltes Kabel.
Eckdaten des Beyerdynamic T 1:
- Prinzip: halboffen, dynamisch
- Impedanz: 600 Ohm
- Gewicht: 350 Gramm
- Kabel: 3 Meter, zweiseitig
- Preis: 890 Euro
- Internet: Beyerdynamic
Audez'e LCD-2 und Fazit
Audez'e LCD-2 - Das kraftvolle Genie
Erst kurz nach Redaktionsschluss kam der LCD-2 des US-amerikanischen Startups Audez'e in die Redaktion, deshalb wollten wir ihn eigentlich zügig abfertigen. Der LCD-2 ist ein witziger Zeitgenosse. Während Sennheiser, Denon und Co ihre Hörer wie Juwelen in mit feinem Tuch ausgekleidete Holzschatullen betten, kommt der Audez'e in einem stabilen schwarzen Plastikkoffer, der eher an ein Behältnis für Bohrmaschinen erinnert. Na ja, auch teure Mikrofone stecken bisweilen in solchen Koffern. Studiotechnik also. Die rustikale Anmutung setzt sich am Hörer selbst fort. Der LCD-2 ist sehr schwer, die dicken Lederpolster riechen nach Lederjacke, und überall sind Schrauben zu sehen. Beim Aufsetzen läuft man Gefahr, dass die zurückweichenden Ohrmuscheln den Finger am scharfen Metallbügel einzwicken. Die Redakteure setzten schon ein geringschätziges Grinsen auf angesichts des urigen Zeitgenossen aus Nevada.
Das Grinsen war schnell weg: So echt, lebensnah und gleichzeitig so präzise spielt kein anderer Hörer im Testfeld. Ein kernig klingender, leicht in Richtung Bass abgestimmter Kopfhörer, der aber auch alle Details parat hat. Der LCD-2 bietet eine fantastische Kombination aus hochauflösendem Spiel und energischem Zupacken. Da kriegt man selbst bei einem unsentimentalen AC/DC-Song wie "Decibel" vom Album "Black Ice" feuchte Augen. Dabei vermittelt der LCD-2 gar nicht das Gefühl, er sei besonders auf dynamischen oder präsenten Klang getrimmt. Die Musik ist einfach wie selbstverständlich da.
Verantwortlich für die so plastische Wiedergabe ist das magnetostatische Prinzip des Audez'e. Dabei wird eine extrem dünne, aber großflächige Folienmembran zwischen Neodym-Magneten gespannt. Die Folie ist von Leiterbahnen durchzogen. Weil die Folie so dünn ist, kann sie extrem schnell auf Spannungsänderungen reagieren und auch kleinste Details wiedergeben. Im Gegensatz zum Elektrostaten Stax ist aber keine besondere hohe Leistung nötig, da Permanentmagneten verwendet werden. Ähnlich wie der Stax zeichnet auch der LCD-2 alle Nuancen nach, wenn auch nicht ganz so filigran wie der Japaner. Das Saxofon von Stan Getz kommt beim Stax noch etwas graziler und schwebender rüber, beim LCD-2 wirkt es etwas erdiger und massiver. Dafür geht er aber in der Abteilung Rock und Pop deutlich temperamentvoller ans Werk.
Auch die Raumabbildung ist beim LCD-2 auf ganz eigene Weise gelöst. Man hat den Eindruck, man stehe ganz nah an den Instrumenten oder Stimmen und trotzdem öffnet sich dahinter eine große Bühne.
Der LCD-2 ist ein schönes Beispiel wie gut gemachte Technik sich sozusagen selbst unsichtbar macht und nur das magisch anmutende Musikerlebnis zurücklässt. Anders ausgedrückt: Dieses Ding macht einfach tierisch Spaß.
Verarbeitung und Ausstattung: Design im Stil von Studiotechnik, robust und schwer, weiche Lederpolster, Kabel mit Mini-XLR-Steckern, abnehmbar, Lieferung im Kunststoffkoffer oder in Holzbox.
Eckdaten des Audez'e LCD-2:
- Prinzip: Magnetostat, offen
- Impedanz: 50 Ohm
- Gewicht: 550 Gramm
- Kabel: 2,5 Meter
- Preis: 995 Euro
- Internet: Digital Highend
Fazit
Die aktuelle Generation der Kopfhörer ist mittlerweile so gut, dass sie die Musik stellenweise geradezu unheimlich echt wiedergeben. In diesen Momenten verschwindet die Technik und zurück bleibt nichts als ein faszinierendes Klangerlebnis.
Die neuen Highend-Hörer haben auch bei der Ortung der Instrumente Fortschritte gemacht. Die berüchtigte Kopfhörer-typische Ortung der Geräte im Kopf ist zwar noch nicht ganz verschwunden, aber deutlich gemildert worden. Ultrasone oder Sennheiser beispielsweise zaubern eine sehr große Bühne vors innere Auge und platzieren die Musiker fast so vor dem Hörer wie herkömmliche Lautsprecher.
Eigentlich sollte ein guter Kopfhörer alle Arten von Musik perfekt wiedergeben. Die getesteten Highend-Modelle kommen diesem Ideal auch sehr nahe. Dennoch haben sie natürlich ihre Stärken in bestimmten Sparten. Ein vital aufspielender Hörer wie der Beyerdynamic T 1 ist beim Streichquartett eben nicht ganz so warm und geschmeidig wie beispielsweise der Grado. Den idealen Kopfhörer, der alle Musikarten von Kammermusik über Oper und Symphonie bis hin zu Techno und Hardrock perfekt wiedergibt, den gibt es nicht. Aber es gibt extrem gute Allrounder wie den Sennheiser HD 800 oder den Audez'e LCD-2.
Preiswerte Alternativen
Preiswerte Alternativen
Nicht jeder kann 1000 Euro für einen exklusiven Kopfhörer ausgeben. Wer bereit ist, ein paar Abstriche zu machen, findet aber auch schon im Preisbereich unter 500 Euro Kopfhörer, die Spaß machen. Zugegeben, es ist nicht besonders fair, Hörer für 1000 Euro oder mehr mit einem für 400 Euro zu vergleichen. Aufschlussreich ist es aber auf jeden Fall. Kopfhörer unter 500 Euro können in puncto Auflösung und Raumabbildung natürlich nicht mit den Großen mithalten. Wenn man ein paar Tage mit Sennheiser, Stax und Co verbracht hat, ist man erst mal enttäuscht, die Musik scheint wie hinter einem Schleier versteckt. Aber nicht jeder Musikfan kann oder will sich so viel Geld für einen Kopfhörer leisten.
Deshalb lohnt ein Blick auf zwei mit 500 beziehungsweise 400 Euro vergleichsweise preiswerte Hörer, die fürs Geld eine anständige Gegenleistung bieten.
AKG K701
Der K701 kostet 400 Euro. Dafür bekommt man einen sehr neutral und luftig aufspielenden Hörer. Der K701 steckt eine weite Bühne ab und musiziert eher analytisch und hell, vergisst aber auch nicht, im Bassbereich für ordentlich Krach zu sorgen.
Wer einen Hörer sucht, der Musik einfach "richtig" und geradlinig wiedergibt, ist mit dem K701 gut bedient. Er ist auch eine gute Wahl für Hobbymusiker, die Musik am PC machen und ihre Aufnahmen abhören wollen.
Verarbeitung und Tragekomfort sind gut, allerdings sind die Rippen auf dem Kopfbügel ziemlich hart. Sie könnten empfindliche Schädel drücken. Der Anschluss an MP3-Player ist über einen Adapter möglich.
Beyerdynamic T 70
Der kleine Bruder der T 1 spielt fast ebenso präsent und fast ebenso präzise, kostet dafür aber nur die Hälfte: 500 Euro. Der Klang ist einen Tick schlanker als beim T 1, und auf die allerfeinsten musikalischen Details muss man auch verzichten.
Der T 70 ist ein guter Partner für anspruchsvolle Popmusik, aber auch für Klassik und Jazz. Für Besitzer eines besonders feinsinnigen musizierenden Kopfhörer (Grado, Ultrasone) könnte der T 70 eine sinnvolle Ergänzung als Zweithörer bilden.
Die Verarbeitung ist sehr gut, an den iPod lässt er sich auch anschließen. Dazu muss man beim Klinkenstecker nur die äußere 6,35 Millimeter-Hülse abschrauben.
So haben wir getestet
Edle Kopfhörer brauchen edle Zuspieler. Als Musiklieferanten haben wir den britischen Highend-CD-Player Naim CD 5x verwendet. Die Musik wurde vom Naim über ein Kabel von Sun Wire an den Kopfhörerverstärker PS Audio GCHA geschickt.
Die Geräte von Ultrasone, Grado und Stax wurden uns freundlicherweise von Hi Fi Concept in München zur Verfügung gestellt.
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